Zürich 2008
Das vierte “Spectaculum” der Gesellschaft zu Fraumünster (“Frauenzunft”) auf dem Münsterhof in Zürich.
Die “Frauenzunft” wurde 1988 als feministische Piratinnen-Zunft gegründet, gegen die Männerbastion Zürcher Zünfte aufzubegehren. In den 20 Jahren ihrer Existenz hat aber das Skandalon zu einer freundschaftlichen oder zumindest friedlichen Koexistenz mit den “richtigen” Zünften gefunden, und wird, nach ihrer Umbenennung zur blossen “Gesellschaft” (1994), inzwischen sogar am Sechseläuten gerne gesehen, wo sie seit 1997 regelmässig mit einer “Frauenehrung“ in Erscheinung tritt.
1999 organisierte sie das erste “Mittelalter-Spectaculum”, das seither in Abständen von drei Jahren stattfand. Nach dem erstmaligen Einsatz im Mai 2005 war Freywild diesmal zum zweiten Mal dabei.
![]() Bilder: Regnum Animi |
Wir zeigten zwei Auftritte. Beim ersten soll der Fechtmeister auftreten. Es kommt ihm aber der Bauer Johann zuvor, der sich begeistert als Fechter präsentiert, bis er von seinem Weib an die Arbeit geprügelt wird. Dann kommt der Meister doch noch, und führt mit seinen Schülern Fechtstücke vor. Fechter aus einer rivalisierenden Schule verspotten dies, und es kommt wie es kommen muss, nämlich zum Duell und schliesslich zum wilden Handgemenge.
Der zweite Auftritt stellte einen alten Schweizer Kämpfer vor, der in den Schwabenkrieg zieht. Um sein Weib zu beruhigen, erzählt er, dass er unter dem Schutz der “blauen Frau” stehe, die ihm schon in seiner Jugend, im Burgunderkrieg, das Leben bewahrte. Der jugendliche Schweizer muss sich zu Murten mit dem Schwert gegen einen Burgundischen Soldaten wehren, und bleibt verwundet im Feld. Da erscheint ihm zuerst die Jungfrau Maria, sofort aber auch der Üble, der seine Seele dem Himmel abspenstig machen will. Maria und der Teufel rufen je einen Kämpfer auf den Plan, altertümlich mit Schild und Speer gerüstet. Die beiden liefern sich einen Kampf um die teure Seele des Schweizers, und als die Seite des Bösen schon zu gewinnen scheint, vertreibt ein Priester mit dem Kruzifix die Todesvision, der Teufel geht in Flammen auf und der verletzte Schweizer wird von einem Kameraden gerettet.
![]() Bilder: Peter Kühni |
Der Bettler hat einmal mehr beeindruckt, und ist in praktisch allen Pressemeldungen erwähnt. Mehr als unter dem Bettler haben wir allerdings unter der Eierknackerei gelitten.
Dass “Gaukler” nicht zwingend dem Gromi-Marktsprech verfallen müssen zeigten eindrücklich Zirkus Meer, die in ihren Tarot-Kartenhaus und Leonardo-Brücke Auftritten echte Artistik mit recherchierten Anekdoten aus der Renaissance kombinierten.
![]() Kompromisslos diffuser Blick auf das Mittelalter im Lokaljouralismus: Der Zürcher Oberländer macht aus behelmtem Fussvolk vor dem Fraumünster grosszügig “Ritter im Kettenhemd vor dem Grossmünster…” |


