Johannes Liechtenauer
Über das Milieu der Fechtmeister im 14. Jh. sind wir nur indirekt
unterrichtet. Aus ihm erwuchsen die Deutschen und Italienischen
Fechtschulen des 15. Jh., die Deutsche dominiert von Johannes
Liechtenauer, die Italienische von Fiore dei Liberi. Von Fiore dei
Liberi haben wir ein direktes Zeugnis, sein Flos Duellatorum von
1410 (Pisani-Dossi
MS). Er dürfte ungefähr von 1350 bis 1420 gelebt haben,
und
berichtet, dass er seine Kentnisse in Deutschland und Italien erworben
hat. Von Johannes Liechtenauer wissen wir nur indirekt, zuerst aus dem
Notizbuch eines Fechtschülers um 1389 (MS 3227a). Liechtenauer und
dei Liberi waren Zeitgenossen, Liechtenauer möglicherweise 10 oder
20 Jahre älter als dei Liberi, es ist unklar ob er um 1389 noch
lebte. Auch Liechtenauer soll seine Kunst auf Wanderungen in seiner
Jugend erlernt haben. Langschwerter (Schwerter mit langem Griffholz,
die bequem zweihändig geführt werden können) werden im
Laufe des 14. Jh. immer populärer. Zunächst werden sie aber
vorwiegend von Rittern zu Pferd eingesetzt, immer noch in Kombination
mit einem Schild. Erst um 1400 wird eine Tradition des Fechtens zu Fuss
mit dem Langschwert nachweisbar. Liechtenauer und dei Liberi bilden
damit die erste Generation von Fechtmeistern, die ein System für
das Fechten mit dem langen Schwert entwickeln. Von Liechtenauer wird
berichtet, er habe sein System aus dem Messerfechten adaptiert.
Tradition Liechtenauers
Paulus Kal (1460) zählt die Namen von 16 Meistern auf, die,
neben Liechtenauer selber, zur
"Gesellschaft Liechtenauers" gehörten, darunter sein eigener
Lehrer, Stettner. Darunter sind wohl von Liechtenauer selbst
ausgebildete Meister zu verstehen, sowie vielleicht eine weitere
Generation.
- Hans Liechtenauer
- Peter Wildhans von Glatz
- Peter von Danzig
- Hans Spindler von Znaym
- Lamprecht von Prag
- Hans Seydenfaden von Erfurt
- Andre Liegnitzer
- Jacob Liegnitzer, dessen Bruder
- Sigmund Amring
- Hartmann von Nürnberg
- Martin Hundsfeld
- Hanns Pägnitzer
- Philips Perger
- Virgil von Krakau
- Diethrich Degen Fechter von Braunschweig
- Ott Jud, Ringer in Österreich
- Stettner
Von diesen 16 Namen sind nur sechs auch aus anderen Quellen
bekannt: Sigmund Ringeck und Peter von Danzig verfassen eigene
Fechtbücher. Dasjenige von Peter von Danzig (1452) erwähnt
dazu Andres Lignitzer, Ott Jud und Martin Hundsfeld als
bereits verstorbene Meister. Ott Jud wird ausserdem von Talhoffer 1443
erwähnt, wohl auch bereits als verstorben. Hans Seydenfaden
schliesslich wird später von Sigmund Schining erwähnt. Mit
Peter von Danzig endet also die
"ursprüngliche" Gesellschaft Liechtenauers (die
möglicherweise noch direkt von ihm unterrichtet wurde). Von den
1460ern bis zum Ende des 15. Jh. diversifiziert sich dann die
"Tradition Liechtenauers", und die Sammlungen des 16. Jh. haben bereits
den Charakter von Rekonstruktionen.
Wir kommen also auf eine hypothetische Generationenfolge von
Fechtmeistern, die 200 Jahre Lebensdauer der Deutschen Schule werden
durch etwa acht Generationen abgedeckt. Ab der fünften Generation
wird die Liechtenauersche Schülernachfolge abgelöst durch die
Bildung von Gilden und Bruderschaften (Marxbrüder). Mit der 7.
Generation im mittleren 16. Jh. ist das Fechten im langen Schwert zu
einem reinen Sport geworden, und bürgerliche Sammler (Mair)
versuchen die Lehre vor dem Aussterben zu bewahren. Die Tradition
überlebt ins frühe 17. Jh. als altmodischer bürgerlicher
Wehrsport, und stirbt dann bald aus.
- 1. Generation, 1370er-1390er: Hans Liechtenauer, Hanko
Döbringer, Andres Jud, Jost von der Nyssen, Niklaus Preuss
- 2. Generation 1400er-1420er: Andre Liegnitzer (= Andres Jud?),
Martin Hundsfeld, Ott Jud
- 3. Generation, 1420er-1440er: Sigmund Ringeck, Peter von Danzig,
Sigmund Schining, Stettner
- 4. Generation, 1440er-1460er: Paulus Kal, Hans Talhoffer, Jud Lew
- 5. Generation, 1470er-1500er: Hans Leküchner, Hans von
Speyer, Peter Falkner, Hans Folz, Gründung der Marxbrüder
- 6. Generation, 1500er-1530er: Hans Wurm, Jörg Wilhalm, Anton
Rast, Albrecht Dürer
- 7. Generation, 1530er-1550er: Hans Czynner, Paulus Hector
Mair
- 8. Generation, 1560er-1580er: Joachim Meyer, Gunterrodt,
Federfechter in Prag
Lehre Liechtenauers
Unsere Hauptquellen zur
Rekonstruktion der Lehre Liechtenauers sind also:
Davon bei weitem am wichtigsten GNM 3227a. Im folgenden die Merkverse
Liechtenauers wie sie im GNM 3227a notiert sind, mit einigen
Ergänzungen aus dem Cod. 44 A 8 und C 487(gekennzeichnet mit [D:]
und [R:]). Die Merkverse von Peter von Danzig stimmen weitgehend
überein mit den um 1389 notierten, was auf eine intakte
mündliche Tradition über mindestens 60 Jahre oder zwei
Meistergenerationen schliessen lässt. Es ist denkbar dass Peter
von Danzig noch einer der letzten Schüler von Liechtenauer selber
war, aber wahrscheinlicher scheint, dass er bereits von der zweiten
Generation unterrichtet wurde. Er berichtet, dass Liechtenauers
Merkverse "mit verborgenen und verdeckten Worten" formuliert seinen,
und ohne zusätzlichen Kommentar oder Instruktion nicht
verständlich [D:3r]. Dasselbe sagt auch Ringeck
[R:10v], mit dem Zusatz dass mit seinen Auslegungen der Verse
Liechtenauers Lehre verständlich würde für jeden, der
bereits "anders fechten" kann [R:11r]. Die Merkverse Liechtenauers haben also nicht den Sinn,
ein Fechtsystem von grund auf zu erklären, sondern sie heben besonders betonte Aspekte hervor, in
denen sich Liechtenauers Lehre von einer als bekannt vorausgesetzten "Durchschnittsfechtkunst"
abhebt.
Grundlagen
[18r] ([R:11r] [D:3r])
Jung Ritter lere /
got lip haben frawen io ere / So wechst dein ere
Uebe ritterschaft
und lere / kunst dy dich zyret und in krigen sere hofiret
Ringens gut fesser
/ glefney sper swert unde messer
menlich bederben /
unde in andern henden vorterben
Haw dreyn und hort
dar / rawsche ym trif ader la farn
das in dy weisen
hassen dy man siet preisen
Dorauf dich zosse
alle ding haben lenge unde mosse
Und was du wilt
treiben by guter vornunft saltu bleiben
czu ernst ader czu
schimpf / habe froelichen mut mit limpf
So magstu achten
und mit gutem mute betrachten
Was du solt fueren
und keyn im dich rueren
Wen guter mut mit
kraft macht eyns wedersache czagehaft
dornoch dich
richte gib keynem forteil mit ichte
Tumkunheit meide
vier ader sechs nicht vortreibe
mit deynem
oebermut biss sitik das ist dir gut /
der ist eyn kuener
man der synem gleichen tar bestan
Is ist nicht
schande vier ader sechs flien von hande
[17r]
O zu allem fechten
gehoert dy hoelfe gotes von rechte
Gera der leip und
gesunder / eyn gancz vertik swert besunder
Vor noch schwach
sterke / yndes das wort mete zu merken
hewe stiche snete
druecken / leger schuetczen stoesse fuelen zuecken
Winden und hengen
/ ruecken striche sproenge greiffen rangen
Vissheit und
kunheit / Vorsichtikeit list und klugheit
masse
Vorborgenheit / vernunft vorbetrachtunge fetikeit
Ubunge und guter
mut / motus gelenkheit schrete gut
In den selben
versen da / sint dir fundament principia /
Und pertinencia
benumet und dy gancze materia /
Aller kunst des
fechten / das saltu betrachten rechte /
Als du auch
eigentlich / hernocher und soenderlich /
wirst heren ader
lisen / iczlichs noch seynem wezen
ffechter des nym
war zo wirt dir dy kunst bekant dy kunst gar
of dem ganczen
swerte / und manch gut weidelich geverte
[17v]
Motus das worte
schone / ist des fechtens eyn hort und krone
der gancze
materiaz des fechtens / mit aller pertinencia /
und der artikeln
gar des fundamentes dy var /
mit namen sint
genant / und werden dir hernach vass bekant
Wy denne eyner nur
ficht / so sey her mit den wol bericht
Und sey stetz in
motu / und nicht veyer wen her mit / du hebt zu fechten / zo treibe her
mit rechte
Vermerung und
endlich eyns noch dem andern kuenlich
In eyne rawsche
stete / an underloss immediate / das iener nicht kome / czu slage
des nympt deser
frowen Und iener schaden / wen her nicht ungeslagen
Von desem komen mag
mit nur deser noch
dem ine / Und noch der leren / dy itczunt ist geschreben
So sag ich vorwar
/ sich schuetzt iener nicht ane var
hastu vornomen /
czu slage mag her mit nichte komen
[18v] ([R:11v] [D:3v])
Wiltu kunst
schawen sich link gen und recht mete hawen
Und link mit
rechten is das du stark gerest fechten
Wer noch get hewen
der darf sich kunst kleyne frewen
haw im was du wilt
keyn wechsler kawm an dich schild
Haw nicht czu
swerte / zonder stets der blosse waerte
Czu koppe czu
leibe dy czecken do nicht vormeide
Mit ganczem leiben
ficht was du stark gerest treiben
Hoer was do slecht
ist ficht nicht oben link zo du recht pist ([R:14r])
Und ob du link
pist ym rechten sere hinkest
Auch so vicht io
liber von oben linklichen nider
Vor noch dy czwey
dink syn allen kunsten eyn orsprink
Schwach unde
sterke Indes das wort mete merke
So machstu lernen
mit / kunst und erbeit dich weren ([R:15r])
Irschrikstu gerne
/ keyn fechten nymmer lerne
Kunheit und
rischeit / vorsichtikeit list und klugheit
Vornunft
vorborgenheit mosse bevorbetrachtunge hobsheit fetikeit
Wil fechten haben
und froelichs gemuete tragen/
Blossfechten
[23r]
Funf hewe lere von
der rechten hant were dy were
Zornhaw krump /
twere hat schiler mit scheitlere
Alber vorsatzt
nochreist / ueberlawft hewe letzt
Durchwechselt /
zukt durchlawft abesneit hende drukt
henge wind mit
bloessen / slag vach strich stich mit stoessen
Der dir oberhawet
/ czornhaw ort deme drewet ([D:4r])
Und soltu auch io
schreiten / eyme czu der rechten seiten
wirt her is gewar
/ nym is oben ab / ane vaer
Pis sterker /
weder wint / stich siet
her is / nym
is neder
Das eben merke
hewe stiche leger weich ader herte
Indes und vor noch
/ ane hurt deme krige sey nicht goch
Wes der krig remet
/ oben / neder wirt her beschemet
In allen winden
hewe stiche snete lere finden
Auch saltu mete
pruefen hewe stiche ader snete
In allen treffen
den meistern wiltu sie effen
[62r]
haw nicht czum
swerte / zonder stetz der blossen warte
Czu koppe czu
leibe / wiltu ane schaden bleiben
Du trefst ader
velest / zo trachte das du / io der bloessen remest
In aller lere /
deyn ort keyn eyns gesichte kere
Und wer weit
umbehewet / der wirt oft sere beschemet
Off daz aller
neste / brenge hewe ader stiche dar gewisse
Und dich zueme io
/ das iener icht e kome wen du
So magstu wol
bestan / recht vor eynen guten man
[25r] ([D:4r])
Wer bloessen wisse
remen zo slestu gewisse
an alle var / an
zweifel wy her gebar
Wiltu dich rechen
/ vier bloessen kunstlichen brechen
Oben duplirer do
neden rechten mutire
Ich sage vor ware
/ sich schoetzt keyn man ane vare
hastu vornomen /
czu slage mag her kleyne komen
[25v] ([D:4v])
Krump auf /
behende / wirf deynen ort auf dy hende
krump wer wol
setczet mit schreten vil hewe letczet
haw krump czu
flechen / den meistern wiltu sie swechen
Wen is klitzt oben
/ stant abe das wil ich loben
krump nicht kurcz
hawe / durchwechsel do mete schawe
krump wer dich
irret / der edele krig den vor virret
Das her nicht
vorwar / weis wo her sye ane var
[27r]
Twere benymet was
von dem tage dar kuemet
Twere mit der
sterke / deyn arbeit do mete merke
Twere czu dem
pfluge / czu den ochsen herte gefuge
Was sich wol
tweret mit spruengen dem hew geferet
[28v]
Schiler in bricht
was pueffel mit slet ader sticht
Wer wechsel drawet
/ schiler dor aus in berawbet
Schil kuerczt her
dich an das durchwechsel das sigt ym an
Schil zu dem orte
/ und nym den hals ane vorchte
Schil in dem
oebern hawpte hende wiltu bedoebern
Schil ken dem
rechten / is das du wol gerest vechte
den schilhaw ich
preize / kumpt her dar nicht czu leize
[30r]
Der scheitelere
deyn antlitz ist ym gefere
mit seinem karen /
der broste vaste gewaren
Was von ym kuemet
/ dy crone das abe nymmet ([D:5r])
Sneyt durch dy
krone zo brichstu sie harte schone
Dy striche druecke
/ mit sneten sie abe ruecke (D: Mit schnytten sy ab zuck)
Den scheitelhaw
ich preize / kuempt her dar / nicht czu leize
[29v]
Wo man von
scheiden / swert czucken siet von in beiden
Do sal man
stercken / und dy schrete eben mete merken
Vor / noch dy
czwey dink / pruefe und mit lere abe sprunk
Volge allen
treffen / den starken wiltu sy effen
Wert her so czucke
// stich / wert her / io czu ym ruecke
Dy winden und
hengen / lere kunstlichen dar brengen
Und pruefe dy
ferte / ab sy sint weich aber herte
Ab her denne
starck wicht zo bistu kunstlich bericht
Und greiffet /
weite ader lenge an // das schissen gesigt im an
Mit synen slaen /
harte schuetzt her sich triff ane forchte
Haw dreyn und hurt
dar / rawsche hin trif ader la varn
haw nicht czum
swerte // zonder stetzs der bloessen warte
Du treffest ader
velest / zo trachte das du der bloessen remest
Mit beiden henden
/ czum augen ort lere brengen
fficht io mit
synnen / und allemal den vorslag gewynne
her treffe ader
vele / mit dem nochslage czu hant reme
Czum beiden seiten
/ czu der rechten hant / seite im schreite
So magstu mit
gewynne / fechtens ader ringens begynnen
[32r]
Vier leger alleyne
/ do von halt und flewg dy gemeyne
Ochse pflug /
alber / vom tage nicht sy dir uemmer
Alber io bricht /
was man hewt ader sticht
mit hengen
streiche / nochreizen setze gleiche
[32v] ([D:5r])
Vier sint
vorsetczen / dy dy leger auch sere letczen
Vorsetczen huet
dich geschiet das auch sere muet dich
Ab dir vorsatzt
ist / und wy das dar komen ist
hoere was ich rate
/ streich abe haw snel mete drate
Setzt an vier
enden / bleib droffe / lere wiltu enden
Wer wol vorsetczit
/ ders vechten vil hewe letczit
wen yn dy hengen /
kumpstu mit vorsetczen behenden
[33r]
Nochreisen lere /
czwefach ader sneit in dy were
Czwey ewsere nymme
/ der erbeit dornoch begynne
Und prueff dy
ferte / ab sye sint weich ader herte
Das fuelen lere /
Indes / das wort sneidet sere
Reisen czwefache /
den alden snet mete mache
Volge allen
treffen / den starken wiltu sy effen
In aller lere /
den ort keyn eyns gesichte kere
Mit ganczem leibe
/ nochreize / deyn ort io da pleibe
lere auch behende
/ reizen / zo magstu wol enden
[33v]
Wer unden remet /
oeberlawf den / der wirt beschemet
Wen is klitzt oben
/ so sterke das ger ich loben
deyn arbeit mache
/ ader herte druecke czwefache
Wer dich druekt
neder / oeberlawf in / slach sere weder
Von beiden seiten
/ oeberlawf und merke dy sneiden
[34r]
Lere abesetczen /
hewe stiche kuenstlichen letczen
Wer auf dich
sticht / dyn ort trift und seynen bricht
Von payden seyten
/ trif allemal wiltu schreiten
In aller lere /
deyn ort keyn eyns gesichte kere
[34v]
Durchwechsel lere
/ von payden seyten stich mete sere
Wer auf dich
bindet / durchwechsel in schire vindet
[35r]
Trit nue in buende
/ das czuecken gibt gute fuende
Czuek / trift her
/ czucke mer / erbeit her / wind das tut im we
Czuek alle treffen
den meistern wiltu sye effen
Czuk / ab vom
swerte / und gedenke io deyner ferte
[35v]
Durchlawff loz
hangen mit dem knauf / greif wiltu rangen
Wer kegen der
sterke / durchlawfir do mete merke
Durchlawf und stos
/ vorkere / greift her noch dem klos
[36r]
Sneit abe dy
herten / von unden in beiden ferten
Vier sint der
snete / czwene unden / czwene oben mete
Czwir wer wol
sneidet / den schaden her gerne meidet
Sneit nicht in
vreize / betrachten io vor dy reize
Du magst wol
sneiden alle krewtz / nuer reisen vormeiden
Wiltu ane schaden
bleiben / zo bis nicht gee mit dem sneiden
[36v]
Dyn sneide wende /
czum flechen druecke dy hende
Ein anders / ist
wenden eyns winden / das dritten hengen
Wiltu machen
vordrossen / dy vechter / zo drucke mit stoessen
Ober dy hende
hewet man snete behende
Czewch och dy
snete / obe ims ober dem hewpte
Wer hende drueckt
/ ane schaden / vor finger czueckt
[37r]
Czwey hengen
werden / aus eyner hant von der erden
In allen geferten
/ hewe stiche leger weich ader herte
Sprechfenster
mache / stant froelich sich syne sache
Slach das her
snabe / wer von dir zich czewt abe
Ich sage vor ware
/ sich schuetzt keyn man ane vare
Hastu vornommen /
czu slage mag her kleyne komen
Is das du bleibest
am swerte da mete auch treibest
hewe stiche ader
snete / das fuelen merke mete
an alles vor
czihen / Vom swerte du nicht salt flien
Auch wen meister
gefechte / ist am swerte von rechte
Wer an dich bindet
/ der krik mit im sere ringet
Das edle winden /
kann in auch schure vinden
Mit hewen mit
stichen mit sneten vindest in werlichen
In allen winden
hewe stiche snete saltu vinden
Das edle hengen /
wil nicht syn an dy winden
wen aus den hengen
/ saltu dy winden brengen
[39v]
Von beiden seiten
/ ler acht winden mit schreiten
Und io ir eyne /
der winden mit drey stoecken meyne
So synt ir
czwenczik und vier / czele sy enczik
ffechter das achte
/ und dy winden rechte betrachte
Und lere sy wol
furen / zo magst du dy vier bloessen rueren
Wen itzliche
bloesse / hat sechs ruren gewisse
[D:6r]
Wer wol fürt und recht pricht /
Und endlich gar bericht /
Und pricht besunder / Igleichß in drey wunder /
wer recht wol henget / Und winden do mit pringet /
Und winden acht / mit rechten wegen betracht /
Und io ir eine / Der selben winden selb dritt ich
meine /
So sind ir zwainczigk und vier zell sy anczigk /
Von paiden seitten / Acht winden lere mit schreiten
/
Und pruef dye gefert / Nicht mer nür waich oder hert
Rossfechten
[53r]
Deyn sper berichte
/ kegen reiten mache czu nichte
Und vor an wisse /
dyn roz das gorte gewisse
Du salt wol merken
dy glefney bederben mit sterke
Wiltu czu / rynen
/ zo fasse den czam lang mit synnen
Dornoch zo
streiche / dy glefney czwer oeber eyn seite
So merk dy seiten
/ zo du mit kunst gerest streiten
haw dreyn nicht
czuecke / von scheiden / link czu im ruecke
So reit mit synnen
czo du abesetczen ruchest gewynnen
Wiltu abesetczen /
und brechen / syne kunst do mete letczen
Dy glefney czu
vorne / ruecke dor under und nym sy ane czorne
Hoch an du setcze
/ swenke durchfar wiltu in letczen
greif im seyn
rechte / czo vestu in ane fechten
Begreif seyn were
/ mit dem ros dich umbekere
Ach magstu rangen
/ wen du in hast umbevangen
Wiltu aber
vorflien / czo schicke deyn pfert czu umbeczihen
Dornoch abesetcze
/ mit winden in sere ietcze
aber schicke dich
umbe / daz du sitzt ynder kruemme
[53v]
Voer allen sachen
/ saltu mit fleisse achten
Der edlen leren /
dy im blozfechten ist geschreben
Indes und vor noch
/ saltu hie wol merken och
Rischeit und
kunheit / vorsichtikeit list und klugheit
[55r]
Ab sichs
vorwandelt / das swert keyn swerte wirt wirt gehandelt
Recht fasse dy
sterke / taschenhawe du in suechen merke
lere wol stark
schoten / alle treffen ane var / mit noeten
An setze ane vare
/ wer stroiff heng in czu dem hare
Wiltu gernet /
lang iagen sere mueet
wer das nue weret
/ zo wind das selbe awge vorseret
Wert her das
voerbas / vach den czawm weze nicht las
Bedenke dy blossen
suche messer nicht warte kloetzen
In aller were /
deyn ort / keyn der blossen kere
Czwene striche
lere / mit lerer hand keyn der were
Der schofgriff /
weret alle griffe undern awgen veret
Auch merke dy
seiten ido du of vorteil gerest reiten
Wer of dich wil
hawen vorsetczen saltu dich frawen
Und winden snete /
hinden und vorne stich sere mete
Dornoch abehawe /
zawm hat / rech beyn zonder drawe
Wen du erst
windest / ruche ansetzen / etwas du bindest
wer of dich synnet
/ und synt swert czu durchrynnen gewynnet
An czweivel wint
an / wiltu keynen schaden von im han
Dy link seite
merke / deyn erbeit auch mete sterke
winden vorsetzt /
swert lang / los hangen zo ist her geletzt
Dornoch in blende
/ der dich mit vorsetzen wil scheden
Ane sorge nym war
/ var im balde under arm dar
Recht lang los
hangen / das lobe ich gancz wiltu rangen
Druek vast mit
stoessen / vom czawm / stiche messer reme der blossen
Ube dy kunst czu
vorne / in schimpf / zo gedenkstu ir in czorne
[D:6v] Dein sper bericht / Gegen reiten mach
zuo nicht / Ob eß empfalle / Dein end ym ab schnalle / Haw drein
nicht zucke / von schaiden linck zu ym rucke / Greiff in sein rechten /
So fechstu in ane fechten / Daß gleffen slechen fechten /
Sittigklich an hurt lere prechen / Ob eß eß sich vor
wandelt / Daß swert gegen swert wirt gehandelt / Recht vaß
dy sterck taschen haw tü süch / und merck ler wol starck
schütten / Allen treffen an far do mit nött in / An secz an
far / wer straifft heng im zuo dem har / Wiltu gerüt lanck / iagen
daß sere müt / Wer daß nu wert / Do wind daß aug
vorsert / wert erß furpaß / Vach zawm und weß nicht
laß / Bedenck die plöß / Snech plösß messer
nicht wartt klösß / Zwen streich ler / Mit lärer hant
gegen di der wer / Der schaff grif weret / wer sich ringenß / Zuo
dir keret / alß under augen / angreif in recht mit flaugen / wer
dich an felt / wider reittenß der wirt gefelt / hangenß zuo
der erden / über greiff in recht mit geperden / Zu paiden seitten
/ du in an ler dich alle wider reitten / Ab du wilt reiten / Rosß
lauffß zu der anderen seyten / Dye sterck schütte / an secz
da mit in note / wer wert dir daß / weit swert vach trag na der
handt haß / Oder umb ker / geruet zuo / iagen der were / Mit
allen kunsten / der iagt der schick nach grunsten / Ab du wer iagst /
und an danck linck iagst / Sein swert auff taste / und ring stös
mit [D:7r] faste / Iagt man
rechtenß / halt ker umb wart
vechtenß / Mit armen vahen / So mag dir kain schad nachen / Dye
messer nemen / Behalten ler an schomen / den ungenatten den starcken /
In werwant / Ir slacher ir stechen / wer dirbt an alß vechten /
Wiltu an fassen / Neben reittenß soltu nicht lassen / Daß
sunnen zaigen / linck ermel treib wiltu naigen / Daß vor haubt
taste / Gegen nack druck sere faste / Daß er sich swencket / und
selden wider auff gelencket / wer dir daß rempt / uber greiff den
der wirt beschempt / Druck armen zu haubt / Der griff offt satel
beraupt / wiltu aber dich massen / deß vahenß liecht von
dir lassen / Ringenß den gefangen hin ane schnure / Den vorgreiff
merck / Der pricht furpaß sein sterck
[57v]
Der schofgrif
weret / wer ringens sich czu dir keret
Als undern awgen /
ane greife lere mete flawgen
Wer dich an fellet
/ weder reitens der wirt gefellet
Rangens czur erden
/ oebergrief in recht mit gebeiden
Czu beiden seiten
/ du in an ler dich alweder reiten
der schofgrif mit
lobe / wert alle griffe undern ogen
[58r]
Ab du wilt reiten
/ roslawfens czur andern seiten
der sterke schote
/ ane setcze do mete noete
wer weret dir das
/ weite swert vach natrag der handlas
Ader umbe kere //
ruet czu iagen der were
mit allen kuensten
/ der iagt den schicke noch guensten
ab du voriagest /
und ane danke linke iagst
Deyn swert auf
taste / Und rangen stoz sere mete vaste
[58v]
Iagt man rechtens
/ halb kere link / warte vechtens
Mit armen vahen /
zo mag dir keyn schade nahen
kere anderweit
umbe / ab dy roz nue hin spruengen
[59r]
Wiltu an fassen /
neben reitens nicht saltu lassen
das zunne czeigen
/ linke ermol treib wiltu neigen
Das vorhawe taste
kegen nacken druek zere vaste
das her sich
swenket / selben weder auf / sich gelenket
wer dir do remet /
oebirgreif den der wirt beschemet
Druk arm an hawpt
/ der grif ofte zatel rawbet
Wilt aber dy masen
/ des vahens leicht von dir lasen
den vorgrif merke
/ der bricht voerbas syne sterke
[59v]
Ab sich vorrukt /
das swert keyn sper wirt geczukt
Der strich io war
/ nym sprink vach ringens yle czu ym
link lang von
hantslach sprink weislich und den vach /
Ab her wil
czuecken von :schneiden vach und druek in
das her dy bloesse
mit swertes orte vordroesse
beder unde
hantschuch under dy awgen dy blosse recht zuch
Vorboten ringen /
weislichen czu lere brengen
Czu fleissen vinde
dy dy starken do mete vinde
In aller lere /
den ort kegen der blossen kere
[60r] ([D:8v])
Wer abesynnet /
vechtens czu fusse begynnet
der schicke syn
sper / czwey sten am anhegen rechte wer
Sper und orte /
den vorstich ane vorchte
Sprink und setz
recht an / wert her czuk das sigt ym an
Wiltu vorstechen /
mit czuecken lere were brechen
Merk wil her
czihen / von scheiden und wil her flyen
So salt im nahen /
y warte weislich des vachen
(D:55v Wiltu vor stechen mit
zucken lere wer prechen)
[60v]
Wo man von
scheiden / swert zuecken siet von in beiden
do sal man sterken
dy schrete eben mete merken
Vor / noch dy zwey
dink sint aller / pruefe mit lere abesprink
Volge allen
treffen / den starken wiltu sye / effen
Wert her czo
czuecke / stich wert her io czu ym ruecke
Ab her lank
fichtet / zo bistu kuenslich berichtet
greift her auch
sterke an / das schissen sigt ym an
Mit synen slaen
harte / schuetzt her sich trif ane forte
Mit beiden henden
/ czu augen ort lere brengen
Des fuerden fusses
/ mit slegen du hueten muesest
Ringen
[62r]
Ab du wilt ringen /
hinder beyne recht lere springen
Regel voerschissen / das
vorbeyn kuenstlichen slyssen
Von beiden henden / ab
du mit kunst gerest enden
[D:8v]
Ob eß sich
vor ruckt / Daß swert gegen sper wirt gezuckt /
Der stich In war
nym / Spring vach ringenß eil zuo ym /
linck lanck von
hant slach / Spring weisleich und den vach / aber wil zucken von
schaiden vach /
und druck in
daß er dy plösß / Mit swerteß ort verdroß
/
leder und
hantschuech / under augen dy plösß recht suech /
Verpotne ringen /
Weisleich zuo lere pringen /
zuo schliessen
viende / Die starken do mit vber winde /
In aller lere /
dein ort gegen der plösß kere /
wo man von
schaiden swert zuck sicht von in paiden /
So sol man
stercken / Die schütten recht eben mercken /
Vor und [D:9r]
nach dye zway dingk / prueff weysleich lere mit ob spring /
volg allen treffen
den starcken wiltu sy effen /
wer er so zuck /
Stich wert er / In zuo ym ruck /
Ob er lanck
vichtet / So pistu kunstlich berichtet /
Greift er auch
sterck an / Daß schiessen gesigt ym an /
mit seinem slahen
den ort / Schützt er sich triff anne vorcht /
Mit paiden henden
/ Dein ort zuo den augen lere wenden /
Deß vorderen
fuesß / mit slegen du hütten müest
Terminologie
- Motus: 17v
- Schwäche/Stärke: 18r, 23r
- weich / hart: 29v, 33r
- Indes: 18r, 33r
- fünf Häue: Zornhaw
23r; Krumphau 23r, 25v; Twerhau 23r, 27r; Scheilhau: 23r,
28v; Scheitler 23r, 30r
- Leger: Alber 23r, 32r; Ochs 27r, 32r; Pflug 27r, 32r, Vom Tag 32r
- Krone: 30r
- Hängen 36v, 37r
- Winden: 23r, 36v, 37r, 39v
- Händedrücken 36v
- Durchwechseln: 23r, 25v, 28v, 34v
- Nachreisen: 32r, 33r
- Sprechfenster 37r
- Versetzen: 32v
- Duplieren/Mutieren 25r
- Überlaufen 33v
- Durchlaufen 35v
- Winden: 29v
- Hängen: 29v
- Zucken 29v, 35r
Quellen